Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsfragen: So sicherst du dich trotz Krankheit ab

Viele Menschen glauben, dass sie keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen können – weil ihnen das mal jemand gesagt hat, ein Antrag abgelehnt wurde oder sie gesundheitliche Probleme haben. Aber: Das stimmt so oft nicht. Es gibt mehr Wege zur Absicherung, als man denkt.

Miriam Kollmann

Finanzmentorin und zertifizierte Finanzberaterin

 

„Mir hat mal jemand gesagt, ich bekomme sowieso keine BU …“

Das höre ich in der Beratung regelmäßig. Und ja – manchmal ist eine BU nicht möglich, aber in ganz vielen Fällen wurde einfach zu früh aufgegeben. Hier sind die häufigsten Missverständnisse:

1. Eine Ablehnung bei einem Versicherer heißt nicht, dass alle ablehnen

Jede Gesellschaft bewertet Gesundheitsangaben anders. Was bei Anbieter A zu einer Ablehnung führt, kann bei Anbieter B nur zu einem Zuschlag, Ausschluss oder sogar zu einer Normalannahme führen. Darum lohnt sich immer eine anonyme Risikovoranfrage bei mehreren Versicherern. Oft höre ich von Kundinnen, ihnen wurde mal bei einer Versicherung gesagt, sie könnten keine BU abschließen und damit war das Thema gegessen. Gerade bei diesem wichtigen Thema lohnt sich ein bisschen Hartnäckigkeit.

2. Es gibt Alternativen zur BU

Wenn eine klassische Berufsunfähigkeitsversicherung wirklich nicht geht, gibt es andere Wege, die Arbeitskraft abzusichern:

  • Grundfähigkeitsversicherung: zahlt, wenn bestimmte Fähigkeiten (z. B. Sehen, Sprechen, Greifen) verloren gehen – unabhängig von der Ursache. Hier können Bausteine für Psyche, Schwere Krankheiten oder Büroarbeit eingebaut werden, kommt also sehr nah an eine klassische BU ran. Eine GF ist gerade für Menschen spannend, die in eine BU aufgrund von Psychischen Erkrankungen nicht reinkommen.
  • Schwere Krankheiten-Versicherung (Dread Disease): zahlt eine Einmalzahlung bei bestimmten Diagnosen wie Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die Gesundheitsfragen sind hier meist etwas milder. Besonders gut ist hier, dass meist nur Dinge abgefragt werden die tatsächlich auch diagnostiziert wurden und keine Verdachtsfälle und Kontrolluntersuchungen

Je nach gesundheitlicher Vorgeschichte kann eine dieser Varianten deutlich realistischer sein als eine klassische BU.

3. Alte Erkrankungen können „rausrolliert“ sein

Viele wissen gar nicht, dass man nicht sein ganzes Leben lang alles angeben muss. Je nach Gesellschaft zählen die letzten 3–10 Jahre. Manche Dinge werden von einigen Gesellschaften auch gar nicht abgefragt. Wenn also eine Krankheit lange zurückliegt und keine Folgen mehr hat, muss sie oft nicht mehr angegeben werden. Wer also vor 2 Jahren mal ohne Erfolg geschaut hat, sollte es unbedingt nochmal versuchen.

4. Auch mit Einschränkungen ist manchmal etwas möglich

Eine BU ist oft nicht einfach angenommen oder abgelehnt. Ein Antrag kann auch angenommen werden mit:

  • Ausschluss bestimmter Erkrankungen
  • Zuschlag auf den Beitrag
  • Zusätzlichen Unterlagen wie Arztberichte oder Fragebögen

Und wenn gar nichts geht?

Auch dann gibt es Möglichkeiten, sich trotzdem abzusichern – nur eben anders.
Wichtig ist, das Ziel zu verstehen: Wir wollen finanzielle Stabilität im Ernstfall, auch wenn es nicht über die BU läuft.

1. Altersvorsorge mit integriertem Schutz

Besonders wichtig ist es, an die Altersvorsorge zu denken. Wer nämlich berufsunfähig wird ohne Schutz, hat gleichzeitig auch ein Altersvorsorgeproblem, da die Beiträge vermutlich nicht weiter gezahlt werden können und man wahrscheinlich für diese Zeit auch in die gesetzliche Rente (sofern man dort versichert ist) nichts einzahlt. Eine super Option dafür ist eine fondsgebundene Rentenversicherung mit Beitragsbefreiung ohne Gesundheitsfragen. Das bedeutet, man zahlt jeden Monat einen eigenständig festgelegten Beitrag in die Rentenversicherung ein, welche einen Baustein erhält, der dafür sorgt, dass bei Berufsunfähigkeit die Beiträge von der Versicherung weitergezahlt werden. Man bekommt also keine BU-Rente ausgezahlt, sondern es wird so getan, als würde man ganz normal weiter in die Rentenversicherung einzahlen. Am Markt gibt es Versicherer, die das ohne Gesundheitsfragen anbieten.

2. Unfallversicherung (oft ohne Gesundheitsfragen)

Unfälle sind fast immer versicherbar, weil sie nicht oder nur bedingt mit Krankheiten zusammenhängen. Hier kann man nicht nur eine Einmalzahlung, sondern auch eine Unfallrente absichern – ganz ohne Gesundheitsprüfung. Man bekommt also einen monatlichen Betrag ausgezahlt, solang die Unfallfolgen bestehen. Diese Option deckt zwar nur in gewisser Weise das Risiko der Berufsunfähigkeit ab, Unfälle machen aber immerhin ca. 10% der BU-Fälle aus.

3. Eigenabsicherung durch Rücklagen & Investments

Um die Unfallversicherung zu ergänzen, ist es empfehlenswert ein extra Vermögen aufzubauen, das im Ernstfall eine finanzielle Stütze gibt. Wichtig dabei: solch ein zusätzlicher Puffer ersetzt keine Versicherung! Leider weiß man nie, wann etwas passiert. Du kannst jederzeit Berufsunfähig werden, im schlimmsten Fall nächsten Monat. Eine Versicherung leistet dann sofort, eine Rücklage ist dann eben nur so hoch wie das, was du gespart hast.

Was also tun?

1. Anonyme Risikovoranfrage

In meiner BU Beratung läuft es folgendermaßen ab: ich mache einen Termin mit der Kundin und gehe mit ihr die Gesundheitsfragen in einem Programm durch, was mit sofort live ein Votum von jedem Versicherer gibt. Ich schaue mir mit ihr gemeinsam die Versicherer an und schaue, ob es Normalannahmen gibt, wie die Preisgestaltung ist und ob da schon ein Versicherer dabei ist, der passen würde. Manche Versicherer wollen Fragebögen haben, die die Kundin dann ausfüllen kann, ich schicke diese dann an den Versicherer und hoffe auf eine Annahme. Wenn nicht, lasse ich die Kundin nochmal in Ruhe spezifischere Gesundheitsfragen ausfüllen. Hier kann sie am Handy alles ausfüllen, auch kleine Texte mit Erläuterungen dazuschreiben und Arztberichte hochladen. Ich wähle dann Versicherer aus, an die ich die ausführliche Gesundheitsprüfung schicke und hoffe wieder auf eine Normalannahme. Oft ist das ein längeres Hin – und Her, was ich im Hintergrund übernehme und der Kundin regelmäßig ein Update gebe.

2. Grundfähigkeit und Schwere Krankheitenversicherung prüfen

Wenn eine BU nicht möglich ist (übrigens, das ist wirklich selten), ist der nächste Step eine Grundfähigkeit und Schwere Krankheitenversicherung zu prüfen. Das erledige ich im Hintergrund, da ich die Gesundheitsdaten zu dem Zeitpunkt ja schon habe und diese einfach erneut für eine Anfrage nutzen kann. Auch hier hoffe ich wieder auf eine Normalannahme. Zeitgleich kümmere ich mich mit der Kundin schonmal um eine Fondsgebundene Rentenversicherung mit Beitragsbefreiungsbaustein, wie oben beschrieben.

3. Unfallversicherung und Vermögensaufbau

Wenn eine GF und Schwere Krankheitenversicherung nicht möglich ist (auch hier, das ist wirklich selten), dann schauen wir nach einer Unfallversicherung ohne Gesundheitsfragen. Dort kann man ganz individuell die Leistungen festlegen (z.B. eine Unfallrente von 3000€). Ich schaue gemeinsam mit der Kundin welche Fälle eintreten können und legen sorgfältig die Leistungen fest. Dazu setzen wir einen Sparplan auf, der jederzeit aufgelöst werden kann für Notfälle.

Mein Fazit

Nur weil du gesundheitliche Einschränkungen hast, heißt das nicht, dass du unversicherbar bist. Es gibt viele Wege, deine Arbeitskraft und Zukunft abzusichern – manchmal muss man nur kreativ denken und verschiedene Bausteine kombinieren. Wichtig ist nicht, dass du „die perfekte Versicherung“ bekommst – sondern dass du überhaupt abgesichert bist, falls das Leben anders läuft als geplant.