Das Wichtigste auf einen Blick
- Auch als Einzelunternehmerin solltest du dir regelmäßig ein Gehalt zahlen
- Dafür brauchst du kein offizielles „Angestelltenverhältnis“ – du buchst es einfach intern um
- Eine feste Summe per Dauerauftrag sorgt für Klarheit und Disziplin
- Privatentnahmen „nach Gefühl“ führen zu Chaos – und am Ende zu Stress
- Bei einer GmbH ist das alles viel komplizierter – du hast jetzt die Freiheit, also nutz sie sinnvoll
Wie du dein Gehalt als Einzelunternehmerin berechnest
Du hast keine GmbH, du bist keine Angestellte – aber du arbeitest hart, trägst Verantwortung und musst privat deine Miete zahlen. Also: Ja, du brauchst ein Gehalt. Die Höhe von einem angemessenen Gehalt zu bestimmten ist gar nicht so einfach. Das richtet sich zum einen nach deinen privaten Ausgaben, zum anderen danach, wie viel Geld überhaupt reinkommt und was davon übrig bleibt. Genau dafür ist es übrigens sinnvoll, ein Kontenmodell zu haben und eine saubere Buchhaltung
So berechnest du, was möglich ist
- Nimm deinen Umsatz (vom letzten Jahr) und das teilst du durch 12
- Zieh deine Budgets für Steuern etc. ab
- Das was übrig ist, halbierst du, das ist dein mögliches Gehalt
- Jetzt hast du einen guten Richtwert, was du dir auszahlen könntest.
Das könnte so aussehen:
Dein Umsatz letztes Jahr lag bei 120.000€. Monatlich sind das also 10.000€. Für Steuern und Budgets gehen 4.000€ monatlich weg. 6.000€ bleiben übrig, die Hälfte davon sind 3.000€.
So berechnest du, was du brauchst:
- Rechne deine privaten Fixkosten aus: Miete, Krankenkasse, Versicherungen,
- Addiere etwas für Essen, Freizeit, Kleidung
- Plane ggf. Rücklagen und außergewöhnliche Ausgaben mit ein
- Daraus ergibt sich dein monatlicher Netto-Bedarf – und das ist dein Mindestgehalt.
Natürlich solltest du hier auch mit einplanen, dass du private Altersvorsorge betreiben möchtest und auch privat ein Vermögen aufbauen willst. Das solltest du immer mit einkalkulieren.
Das könnte so aussehen:
Du hast jeden Monat 1500€ Fixkosten, gibst 1000€ für alles Weitere aus und addierst noch 500€ als Puffer. Das bedeutet: 3.000€ Gehalt wären nötig. Wenn du privat noch weitere Einnahmen hast (z.B. Kindergeld oder einen Nebenjob), ziehst du das natürlich davon ab.
Was passiert bei einer Differenz?
Wenn du bei deinen Berechnungen bemerkst, dass es eine Differenz gibt zwischen dem was nötig ist und dem was möglich ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wenn dein Bedarf höher ist als das, was du dir auszahlen könntest, müsstest du entweder schauen, dass du deine privaten Ausgaben reduzierst oder deinen Umsatz im Business steigerst. Wenn dein Bedarf geringer ist, kannst du entweder trotzdem das auszahlen was möglich ist oder nur das auszahlen was du wirklich brauchst. Entweder hast du dann mehr Geld auf deinem Geschäftskonto für sinnvolle Investitionen oder um schlechte Monate zu überbrücken oder eben mehr in deinem Privatvermögen, was du nutzen kannst um zum Beispiel mal eine Immobilie zu kaufen.
Wann kann ich eine Gehaltsverhandlung machen?
Wenn du dir mehr auszahlen möchtest, sollte das gut überlegt sein. Wenn du es geschafft hast deinen Umsatz erheblich zu steigern, kannst du natürlich überlegen, ob du dir in Zukunft mehr auszahlen willst. Meine Empfehlung dabei ist, sich Zeit zu lassen. Sei ehrlich mit dir und überlege: gab es einen bestimmten Grund warum der Gewinn besser war und kann ich das dauerhaft aufrecht erhalten? Wenn du zum Beispiel eine Kooperation hattest oder ein großes Projekt wo du gut verdient hast, ist das natürlich nicht für immer so. Pass dein Gehalt am Besten maximal einmal jährlich an und betrachte dabei immer nur das bereits abgeschlossene, vergangene Jahr. Wir alle kennen das nämlich: nur weil es im ersten Quartal gut lief, muss es nicht unbedingt so weiter gehen.
Wie du dir das Gehalt am besten einrichtest
Jetzt kommt der wichtigste Punkt: Mach’s dir einfach. Nutze dein Kontenmodell, bei dem du ein separates Geschäftskonto und ein privates Konto hast Richte einen Dauerauftrag ein, der jeden Monat automatisch dein Gehalt überweist
Warum das wichtig ist:
- Du denkst nicht jedes Mal neu nach
- Du gibst deinem Business Struktur und Verlässlichkeit
- Du trennst Einnahmen (Umsatz) von dem, was dir privat wirklich zur Verfügung steht
- Du kommst nicht in Versuchung, „mal eben“ was vom Geschäftskonto zu nehmen
Und was ist mit „Privatentnahme“?
Der Begriff taucht überall auf – aber oft total verwirrend. Also lass uns das kurz klären: „Privatentnahme“ ist eigentlich ein steuerlicher Begriff, der vor allem bei Kapitalgesellschaften wie GmbHs relevant ist. Dort musst du jede Entnahme ordentlich dokumentieren, verzinsen, ggf. als Kredit ausweisen etc. Als Einzelunternehmerin brauchst du dir da keinen Kopf machen, dem Finanzamt ist das herzlich egal auf welchem deiner Konten welches Geld ist, es wird bei dir nämlich nicht offiziell zwischen Privatvermögen und Geschäftsvermögen unterschieden. Wenn du Geld vom Geschäftskonto auf dein privates überweist, musst du:
- nichts extra versteuern
- keinen Beleg einreichen
- keine Lohnsteuer zahlen
Aber – und jetzt kommt der entscheidende Punkt:
Disziplin ist trotzdem Pflicht.
Denn wenn du wild hin- und herbuchst, jeden Monat mal 800 €, dann wieder 2.000 €, dann „nur kurz“ was für die private Waschmaschine bezahlst, verlierst du den Überblick, die Struktur und langfristig die Kontrolle über deine Finanzen. Wenn man nämlich privat broke ist und weiß, auf dem Geschäftskonto liegen 50.000€, dann ist die Versuchung groß da ran zu gehen. Aber das kann ganz schnell dazu führen, dass man Geld ausgibt, was man eigentlich für später noch gebrauchen könnte.
Warum ich keine spontanen Entnahmen empfehle
Nur weil du als Einzelunternehmerin „im Prinzip machen kannst, was du willst“, heißt das nicht, dass du es auch solltest. Denn:
- Du bist als Unternehmerin auch Verwalterin deines eigenen Cashflows
- Wenn du dich ständig selbst überlistest, leidet dein Business darunter
- Es fühlt sich irgendwann so an, als wärst du immer „privat pleite“, obwohl auf dem Geschäftskonto 50.000 € liegen
Und ja – das ist frustrierend. Aber genau deshalb brauchst du eine klare Grenze:
Was auf dem Geschäftskonto ist, gehört dem Business.
Was auf deinem privaten Konto ist, gehört dir. Und genau das erreichst du durch dein Gehalt – regelmäßig, nachvollziehbar, geplant.
Fazit
Als Einzelunternehmerin kannst du dir das Leben sehr einfach machen – wenn du dir ein Gehalt gibst, wie du es auch als Angestellte bekommen würdest.
Das bringt dir:
- Sicherheit und Planbarkeit
- Klarheit in deinen Finanzen
- Ein entspannteres Verhältnis zu Geld
Mach’s dir einfach:
- Dauerauftrag einrichten
- Feste Summe bestimmen
- Alles andere in Ruhe wachsen lassen
Und ganz ehrlich? Du verdienst es, dir selbst pünktlich Gehalt zu zahlen. Ohne Reue, ohne Chaos – sondern mit System.
