Miriam Kollmann

Altersvorsorgeberaterin

 

Wie viel Rendite macht deine Riester? So findest du es heraus

Riester-Renten haben einen schlechten Ruf – und ehrlich gesagt: oft zurecht. Aber nicht jede Riester ist automatisch schlecht. Die entscheidende Frage ist: Ist DEINE Riester gut? Und genau das kannst du ziemlich einfach selbst herausfinden. Hier ein kleiner Guide, wie du es selbst herausfinden kannst.

Die Basics: Wie funktioniert Riester überhaupt?

Die Riester-Rente ist staatlich gefördert. Das heißt, du bekommst Geld vom Staat, aber nur unter bestimmten Bedingungen.

Diese Förderung bekommst du:

  • 175€ Grundzulage pro Jahr
  • + 300€ pro Kind (für ab 2008 geborene Kinder)
  • + 185€ pro Kind (für vor 2008 geborene Kinder)

Um die vollen Zulagen zu bekommen, musst du 4% deines Bruttoeinkommens vom Vorjahr einzahlen (abzüglich der Zulagen). Zahlst du weniger ein, werden die Zulagen anteilig gekürzt.

Schritt 1: Rendite deiner Riester MIT Zulagen berechnen

Um jetzt herauszufinden, ob deine Riester gut ist, kannst du einfach die Rendite (also um wie viel Prozent sich dein Geld vermehrt hat) ausrechnen. Du schaust dir also an, was aus deinem Geld geworden ist. Dabei differenzieren wir nicht ob der Vertrag an sich gut ist oder das Produkt Riester zu dir passt, wir versuchen erstmal herauszufinden was aus deinem Geld während der Vertragslaufzeit geworden ist.

Dafür brauchst du ein Dokument:

  • „Bescheinigung nach §92 EStG“ oder
  • „Jahresinformation nach §7a AltZertG“

Diese Dokumente bekommst du regelmäßig vom Anbieter zugeschickt. Wenn du diese Dokumente nicht hast, kannst du sie auch ganz einfach anfragen. Dort findest du unter anderem diese 3 Werte:

  • deine Einzahlungen gesamt
  • deine erhaltenen Zulagen
  • dein aktuelles Vertragsguthaben

So rechnest du:

Nimm einen Zinsrechner (z.B https://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php)

Gib ein:

  • Anfangskapital: deine eigenen Einzahlungen
  • Endkapital: aktuelles Vertragsguthaben
  • Laufzeit: wie lange der Vertrag schon läuft

Die Zulagen lässt du hier erstmal weg. Jetzt lässt du dir dazu den Zins ausrechnen. Meiner Einschätzung nach ist hier alles unter 4% nicht akzeptabel.

Schritt 2: Rendite deiner Riester OHNE Zulagen berechnen

Jetzt schauen wir uns an, wie gut dein Vertrag wirklich ist.

Neue Rechnung:

  • Anfangskapital: Einzahlungen + Zulagen (also was wirklich insgesamt in den Vertrag geflossen ist)
  • Endkapital: aktuelles Vertragsguthaben
  • Laufzeit: wie lange der Vertrag schon läuft

Jetzt lässt du dir wieder den Zins ausrechnen. Dieser wird vermutlich geringer sein, als bei der ersten Berechnung.

Interpretation: Was sagen dir die Zahlen?

Jetzt kommt der wichtigste Teil

Fall 1: Rendite mit Zulagen: gut. Rendite ohne Zulagen: schlecht

Riester kann für dich sinnvoll sein, aber dein Tarif ist wahrscheinlich schlecht. Was das für Gründe haben kann, erfährst du weiter unten. In diesem Fall solltest du über einen Anbieterwechsel nachdenken.

Fall 2: beide Renditen schlecht

Bedeutung: Riester passt evtl. grundsätzlich nicht zu dir und/oder dein Vertrag ist schlecht. In diesem Fall solltest du über eine Kündigung nachdenken oder einen Anbieterwechsel inkl. Beitragsfreistellung.

Fall 3: beide Renditen gut

Glückwunsch. Dann hast du wahrscheinlich einen guten Vertrag. Dann kannst du alles weiterlaufen lassen.

Warum ist die Rendite oft schlecht?

Es gibt ein paar typische Gründe:

1. Riester passt nicht zu dir

Vor allem wenn du keine Kinder hast und gut verdienst, ist Riester vermutlich nicht das passende Produkt für dich. Du müsstest sehr viel Geld einzahlen, einfach nur um die Zulagen zu bekommen. Die Grundidee von Riester ist ja, möglichst viele Förderungen zu erhalten. Gerade wenn du keine kindergeldberechtigten Kinder hast, kannst du maximal 175€ pro Jahr erhalten, musst dafür aber eine ganze Menge Geld einzahlen. Das lohnt sich meist nicht.

2. Du bekommst nicht alle Zulagen

Manchmal kann es passieren, dass fälschlicherweise Zulagen nicht gutgeschrieben wurden. Zum Beispiel wenn Kinder nicht im Vertrag erfasst sind oder Zulagen nicht richtig beantragt wurden. In diesem Fall kannst du bei der Deutschen Rentenversicherung einen Antrag auf Festsetzung stellen: https://www.eservice-drv.de/riester-formulare/festsetzung-altersvorsorgezulage/vorschaltseite oder für die letzten 4 Jahre kannst du das meist auch direkt beim Anbieter machen.

3. Falsche Beitragshöhe

Du musst 4% vom Brutto einzahlen, damit du die vollen Zulagen erhältst. Wenn du weniger einzahlst, bekommst du die Zulagen nur anteilig. Zahlst du mehr ein, bekommst du keine zusätzliche Förderung. Du solltest also genau prüfen lassen, wie viel dein optimaler Beitrag ist.

4. Der Tarif ist einfach schlecht

Das ist leider der häufigste Fall. Der Großteil der Riester-Verträge am Markt ist nicht gut, das liegt an verschiedensten Faktoren wie Kosten, niedrige Zinsen oder dass der Tarif nicht ETF – basiert ist. In diesem Fall kannst du einfach einen Anbieterwechsel machen, ohne deine Zulagen zurückzahlen zu müssen.

5. Der Vertrag ist noch nicht so alt.

Die meisten Riesterrenten sind Provisionstarife, das heißt, es sind Abschlusskosten einkalkuliert. Diese sind in den ersten 5 Vertragsjahren besonders hoch und werden aus deinem Vertrag entnommen. Das bedeutet, wenn du diese Renditeberechnung in den ersten paar Jahren deines Vertrages machst, wird die Rendite negativ davon beeinflusst. Das solltest du im Hinterkopf behalten.

Und was nun?

Keine Angst, Riesterrenten sind gar nicht so starr wie du vielleicht denkst. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, deine Situation zu verbessern. Um wirklich sicherzugehen, solltest du die Situation jedoch einmal prüfen lassen. Als Altersvorsorgeexpertin kann ich dich dabei gern unterstützen.